Einzelhandel kämpft mit Umsatzeinbußen
Kunden und Einzelhändler sind nicht gut gelaunt. Und vielleicht auch nicht gut aufeinander zu sprechen. Mancher Kunde fühlt sich bedrängt vom offensiven Verhalten der Einzelhändler. Übermotivierte Beratung wird als aufdringlich empfunden. Stattdessen wollen immer mehr Kunden dem Stress des realen Einkaufs und der Fülle in den Städten entgehen und ziehen sich ebenso gern ins Internet zurück, um dort ihre Einkäufe von Waren und Dienstleistungen zu “tätigen”.
Allerdings entgeht ihnen - denke ich - das gute Gefühl des “an der Kasse stehens”. Im Kassenbereich des Handels findet Kommunikation statt. Wenigstens zwischen Verkäufer/-in und Kunde zu dem Thema des Preises der gekauften Ware. Hier muss kein unangenehm empfundenes Beratungsgespräch mehr stattfinden.
Außerdem kann man, zumindest wenn es beim Wochenendeinkauf im Supermarkt richtig voll ist, an der Kasse mit mehr oder weniger fremden Leuten ins Gespräch kommen oder gute Freunde und Bekannte treffen und Sozialkontakte pflegen.
Vermutet wird aber auch der Wunsch von Kunden, unerkannt zu bleiben und nicht von Personal im Laden durch gutgemeinte Beratung beeinflusst zu werden. Sie möchten sich lieber “in Ruhe” Informationen besorgen um vergleichen und sich dann entscheiden zu können. Außerdem wollen die Internet-Käufer nicht auf das Gefühl verzichten, autonom zu entscheiden und dabei selbst Entscheidungen zu treffen.
Mancher Kunde empfindet beim Online-Kauf ein stärkeres Gefühl der Handlungsfreiheit und damit verbunden eine sicherer Verhandlungsposition. Der Kontakt zum Verkaufspersonal im Kassenbereich wird hier nicht besonders oder sogar überhaupt nicht vermisst. Die schlichte Lust am Einkauf nimmt online eine eher zweitrangige Position ein.
Für Handelsketten und auch den Einzelhandel an sich ist dies eine durchaus schwierige Entwicklung. In aller Regel kann mit den Preisen, wie sie im Internetgeschäft möglich sind, nicht zurechtkommen und Verluste einfahren würden.
Von aufdringlicher Beratung verschreckte Kunden legen online großen Wert auf übersichtlich strukturierte Websites und Anwendungsfreundlichkeit. Auch der Kontakt an der Kasse, der Bezahlvorgang im herkömmlichen Sinne ist vielleicht nicht unbedingt erwünscht. Offensives Gegenübertreten seitens der online-Verkäufer ist auch hier wenig beliebt.
Die im allgemeinen noch positive Umsatzsituation im Einzelhandel täuscht nicht darüber hinweg, dass mehr und häufiger Umsatzrückgang zu erwarten ist. Schon die mittelfristige Gewinnerwartung wird immer bedenklicher betrachtet. Viele Einzelhändler rechnen schon damit, dass der Umsatz stagniert. Manch einer hat da vielleicht schon nicht oder sogar nicht mehr den Mut zu Investitionen und denkt über den Nutzen einer neuen Registrierkasse nach, wenn die Kunden weg bleiben. Steigende Energie- und Personalkosten machen es außerdem schwierig, noch zu investieren. Obwohl es Sinn machen könnte, zum Beispiel in neue Registrierkassen zu investieren, schrecken viele Einzelhändler davor zurück, was bei sinkender Gewinnerwartung nicht verwundert. Aber dennoch ist es wichtig und in aller Regel auch sinnvoll, gerade in schweren Zeiten zu investieren.
Privatkonsumenten sind in letzter Zeit sehr vorsichtig und zurückhaltend geworden, größere Anschaffungen zu tätigen, selbst wenn diese inzwischen eine gewisse Dringlichkeit erreicht haben. Bei der derzeitigen Einkommens- und Preisentwicklungserwartung haben viele Verbrauch schlicht Angst, ihr Geld auszugeben. Es lebe der gute alte Sparstrumpf? Das wollen wir nicht hoffen. Denn dann entwickelt es sich möglicherweis noch stärker in die Richtung, die keine Wirtschaft gut verträgt.
Neue Investitionen - privat oder im Einzelhandel - sind derzeit also äußerst schwierig. Dabei würden beispielsweise neu Kassen dem Handel durchaus wieder Kosten einsparen. Neueste Geräte verbrauchen weniger Netzleistung, Strom sparen ist angesagt. Auch die Vernetzung der Kassen mit der Lagerhaltung und der Buchhaltung erspart so manchen Arbeitsschritt - also Personalkosten.
Trotz des doch sehr vorsichtigen Konsumverhaltens der Verbraucher sollten Händler Mut beweisen und Flagge zeigen in die Richtung, dass es wieder voran geht.